Kleinkind mit Bauklötzen

Nur nicht verrückt machen

Vor kurzem wurde mein Sohn ein Jahr alt: 1 Jahr, 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage, 8760 Stunden begleitet uns der kleine Große nun schon in unserem Alltag. Wir haben wunderschöne, lustige, anstrengende, erstaunliche, nervenaufreibende, erschöpfte und glückliche Momente miteinander verbracht und werden jeden Tag aufs Neue mit einer Wundertüte voller spannender Erlebnisse überrascht.

Zeit, einmal zurückzublicken: Wie gut kann ich mich noch an unsere Unsicherheit in den ersten Tagen und Wochen erinnern. Auf einmal steht die Welt Kopf, unser Neuankömmling brachte unseren beschaulichen Rhythmus gehörig durcheinander und nichts war mehr, wie es früher war. Tausend Fragen schossen uns nun durch den Kopf und gleichzeitig kamen tausend Ratschläge von allen Seiten: Trinkt mein Kind zu oft? Trinkt es zu lange? Ist es satt? Warum weint es schon wieder? Schläft es ausreichend (gefühlt war unsere Antwort immer „nein“…)? Verwöhnen wir es?  Und später: Warum nur hält es keinen Mittagsschlaf (wie „all“ die anderen Kinder)? Warum schläft es nicht in seinem Bett? Warum schläft es nicht selbstständig ein? Und – wie selbstständig muss ein Kind sein, muss es das überhaupt sein? Wie viel Freiräume benötigen wir als Eltern? Wie sollen wir nur alles Richtig machen?
Nicht nur Mütter, Schwiegermütter, Freunde und Verwandte wissen alles ganz Genau, auch Ratgeber von A wie AA bis Z wie Zahnen sagen uns frischgebackenen Eltern, wie man es richtig macht. Ach ja, und dann gibt es ja noch das Internet, mit diversen Foren, wo weiter darüber diskutiert wird, wie viel Stunden Schlaf bei einem Baby im Alter von 13,5 Wochen „normal“ sind. Ich hatte schnell das Gefühl, zu viele Informationen zu erhalten. Wie gut taten mir und meinem Mann der Tipp unserer Hebamme: „Hört auf euren Bauch, mit ein wenig gesundem Menschenverstand kann man als feinfühlige Eltern nichts falsch machen!“ Oh, wie gut uns dieser Zuspruch tat. Und richtig, in Momenten totaler Verwirrung haben wir erst einmal in uns reingehört, bevor wir stundenlang nach der Lösung unseres Problems gegoogelt haben, und konnten auch so eine vernünftige Entscheidung treffen. Natürlich haben wir sehr  von der Unterstützung unserer Hebamme, der Erfahrung unserer Mütter und den Tipps anderer Mütter profitiert. Aber man sollte nicht versuchen, alle Ratschläge umzusetzen. Was bei der Freundin A mit ihrem Kind wunderbar funktioniert, findet Freundin B mit ihrem Baby vielleicht verwerflich und macht es ganz anders. Am Ende sind beide Kinder zufrieden, jede Mutter und jeder Vater haben nun mal ihre eigene Art „das Kind zu schaukeln“ :)

Sehr hilfreich fand ich auch Kurse, wie z.B. PEKIP, wo man andere Mütter trifft und sich einfach austauschen kann. Und wer am Ende seine Intuition nicht vergisst, kann dem neuen Mitglied der Familie entspannt begegnen. Übrigens: Entspannte Eltern wirken sich zudem sehr positiv auf das Baby aus… 😉

(Beitrag von Verena F.)